Hilfe, ich habe gegründet! - Wie aus kleinen Fehlern eine große Krise wurde. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps zum Bessermachen

Hilfe, ich habe gegründet! - Wie aus kleinen Fehlern eine große Krise wurde. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps zum Bessermachen

von: Sascha Suden, Andreas Lutz

Linde Verlag Wien Gesellschaft m.b.H., 2012

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 15,99 EUR

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Hilfe, ich habe gegründet! - Wie aus kleinen Fehlern eine große Krise wurde. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps zum Bessermachen


 

Den passenden Geschäftspartner wählen


Ich habe schon mit vielen Menschen zusammengearbeitet, als Kollege, Vorgesetzter, Mitarbeiter oder eben als gleichberechtigter Geschäftspartner. Als Angestellter kann man sich Kollegen oder Chefs nicht aussuchen, doch Selbständige haben die Möglichkeit, sich ihre Mitarbeiter oder Geschäftspartner auszuwählen. Erstere dürfen sie innerhalb der Probezeit wieder entlassen, bei einem Geschäftspartner ist das nicht der Fall. Aus meinem Bekanntenkreis und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Geschäftspartnerschaften scheitern. Ich hatte Glück mit meinem Kompagnon, denn wir haben uns ergänzt. Wir hatten verschiedene Stärken und konnten unsere jeweiligen Schwächen gegenseitig ausgleichen. Wir haben uns immer um die Sache gestritten, sind dabei aber nie persönlich geworden.

Mit anderen Geschäftspartnern war es nicht immer so leicht. Deshalb erscheint es durchaus sinnvoll, schon bei der Gründung an eine eventuelle Trennung zu denken. Einen ehemaligen Geschäftspartner kannte ich vorab schon zwei Jahre. Wir verstanden uns gut und dachten, wir hätten dasselbe Ziel und die gleichen Vorstellungen über den Weg dorthin. Doch es ist ein Unterschied, ob Sie jemanden gut kennen oder mit ihm zusammenarbeiten müssen. Sie wissen nicht, wie teamfähig, konfliktfähig oder kritikfähig er ist. Es ist wie in einer Beziehung: Zwei Menschen ergeben vielleicht ein Traumpaar, doch wenn sie zusammenziehen, stören die Macken des anderen auf einmal. So war es auch bei dem gerade erwähnten Geschäftspartner. Es zeigte sich bereits nach vier Monaten, dass wir derart unterschiedliche Standpunkte vertraten, dass eine Zusammenarbeit keinen Sinn mehr hatte. Er behielt die Firma und ich meine Nerven.

Die Erfahrungen mit meinen verschiedenen Geschäftspartnern haben mir gezeigt, dass man sich sorgfältig prüfen sollte, bevor zusammen ein Unternehmen gegründet wird. Ebenso wichtig ist es, im Gesellschaftervertrag alle möglichen Eventualitäten zu berücksichtigen. Geben Sie sich und Ihrem Partner zudem eine Probezeit von einem Jahr, damit jeder aussteigen kann, wenn die Verbindung nicht funktioniert.

Vielleicht meinen Sie, dass unter Freunden keine schriftliche Vereinbarung nötig ist. Bedenken Sie aber: Ein Vertrag regelt die Situation, wenn eine Beziehung zerstört ist. Wer sich friedlich und einvernehmlich trennt, braucht vielleicht keinen Vertrag, aber das ist der wohl seltenere Fall. Vergessen Sie auch nicht, dass sich Menschen verändern können, wenn sich in ihrem Umfeld etwas verändert. Auch so etwas habe ich in meinem Umfeld selbst gesehen: Eine Bekannte hatte einen netten, charismatischen Geschäftspartner. Als er sich verliebte, übernahm seine neue Freundin das Regime – und er ließ sich alles gefallen, auch als seine Karriere darunter litt. Das Leben ist nicht berechenbar, deshalb sorgen Sie zumindest mit einem guten Vertrag vor.

Zeit und Geduld, um von anderen zu lernen


Unsere Gründung kam sehr schnell zustande. Von der Abgabe unseres Kreditantrags bis zur Auszahlung des Darlehens vergingen gerade mal sechs Wochen. Allerdings löste dieses Tempo auch eine Euphorie aus. Sie verleitete mich gerade am Anfang zu vielen Fehlern, für die ich später im wahrsten Sinne des Wortes teuer bezahlen musste. Ich hätte mich gründlicher über die Gründungsformalitäten informieren müssen. Vor allem hätte ich mir mehr Zeit nehmen und andere um Rat fragen sollen – unter Umständen können zwei sehr intensive Tage in einem Seminar oder mit einem Gründungsberater ausreichen, um sich zu informieren.

Diplom-Betriebswirt Karsten Wilde rät

Die Erfahrung zeigt, dass Existenzgründer erfolgreicher sind, wenn sie es schaffen, verschiedene Sichtweisen und Meinungen in einem in sich stimmigen Plan zu verbinden. Bedenken Sie, dass die Gründung eines Unternehmens weit über Ihre eigentliche Geschäftsidee hinausgeht. Kreativität und wirtschaftliches Denken müssen logisch verzahnt und sinnvoll umgesetzt werden. Scheuen Sie sich nicht, die eigenen fachlichen Lücken mithilfe der Kompetenzen anderer – Freunde, Bekannte, berufliche Kontakte – zu füllen.

Rechtsanwalt Markus von Laufenberg ergänzt

Auch die Gänge zum Steuerberater und zum Rechtsanwalt sollten erfolgen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Lassen Sie sich beraten, bevor zum Beispiel Verträge unterzeichnet und Kreditanträge eingereicht werden. Denn in dieser Phase können Sie die Weichen richtig stellen und entscheidende Fehler oder Fehlentwicklungen vermeiden. Noch ein Tipp: Gerade wenn Sie als Unternehmer in der Gründungsphase sind, wird ein Berater durchaus bereit sein, Ihnen beim Honorar entgegenzukommen. Vereinbaren Sie die Höhe aber immer zu Beginn der Beratung.

Geld für die Gründung von Bank und Staat


Die meisten Gründer haben zu Beginn nicht genug eigene finanzielle Mittel, um ihre Idee umzusetzen. So ging es uns ebenfalls. Wir beantragten ein Darlehen bei der Bank. Dass mir auch der Gründungszuschuss zugestanden hätte, habe ich leider erst zu spät erfahren. Auch wenn es ums Geld geht, gilt: Umfassende Information zahlt sich aus.

Unser Gründungsdarlehen


Was waren wir glücklich, als wir das Darlehen genehmigt bekamen. Übrigens wäre unser Unternehmen fast an meiner Eignung als Kaufmann gescheitert; die Bank schien mit meiner Qualifikation nicht recht zufrieden zu sein. Wie recht sie hatte: Mir hätte natürlich sofort auffallen müssen, dass unser Gründungsdarlehen nur bis zur Eröffnung reichte. „Ja, wussten Sie das nicht?“, fragte mich unsere Sachbearbeiterin später einmal.

Sicher, in den Businessplan hatte ich Entnahmen eingetragen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass wir einen bestimmten Umsatz erwirtschaften. Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, was wir machen, wenn die Einnahmen ausbleiben. Das galt übrigens nicht nur für die Privatentnahmen, sondern auch für den Wareneinkauf. Für unseren Blumeneinkauf mussten wir mindestens dreimal in der Woche liquide sein, also 3.000 Euro pro Woche in der Kasse haben, um überhaupt weiter Umsatz machen zu können. Das war mir bekannt, aber ich habe es mir nicht wirklich bewusstgemacht.

Rechtsanwalt Markus von Laufenberg informiert

Was gilt für Privatentnahmen?

Die Lücke im Finanzierungskonzept hätte der Bank auffallen müssen. Und wäre Herr Suden rechtzeitig zu einem Steuerberater gegangen, hätte dieser sicher die Frage nach den Lebenshaltungskosten in den ersten Monaten nach der Gründung gestellt. Die Fehlkalkulation hätte vermieden werden können. Bedenken Sie bei Ihrer Planung auch, dass die jeweiligen Tageseinnahmen nicht als Privatentnahmen ausgezahlt werden dürfen. Privatentnahmen zulasten eines überzogenen Kontos führen zu Nachteilen, denn das Finanzamt wird die dadurch entstehenden Sollzinsen nicht als Betriebsausgaben anerkennen. Gründungsdarlehen sind nur für die Gründung bestimmt. Sie sind nicht dazu da, die Lebenshaltungskosten des Unternehmers zu decken.

Mit dieser Gedankenlosigkeit begann unsere Krise eigentlich schon. Selbst wenn jemand noch so gut in seinem Beruf ist, sollte er in der Lage sein, sich mindestens ein halbes Jahr zu finanzieren, ohne Geld aus seinem Geschäft zu entnehmen. Idealerweise sollte für diese Zeit auch der Wareneinkauf abgedeckt sein. Wäre mir damals die Tragweite bewusst gewesen, so hätte ich dies bei unserem Gründungsdarlehen berücksichtigt.

Diplom-Betriebswirt Karsten Wilde informiert

Grundsätzlich ist die Bank Geschäftspartner. Sie verhält sich so, wie es jede Privatperson tun würde. Das bedeutet, dass ein Gründungsdarlehen nur dann ausgegeben wird, wenn die Bank überzeugt ist, dass sie das Geld inklusive Zinsen zurückerhält. Dabei ist es meist zweitrangig, welchen Titel Sie vorweisen können. Vielmehr kommt es auf das persönliche Vertrauen und Ihre Referenzen an. Leider ist es durchaus gängige Praxis, dass Banken Existenzgründer nur bis zum Tag der Unternehmenseröffnung unterstützen. Achten Sie daher genau auf die Rahmenbedingungen eines Kreditangebots.

Haben Sie nicht gerade das Rad neu erfunden und ist Ihnen keine neue Methode zum Goldschürfen eingefallen, gehen Sie bitte davon aus, dass sich Ihre Umsätze – folglich auch die Gewinne – langsam, manchmal sehr langsam aufbauen. Viele Gründer geben sich Illusionen hin, weil sie (glücklicherweise) von ihrer Idee total überzeugt sind. Sie können sich gar nicht vorstellen, dass die Welt nicht auf ihre Leistungen oder Produkte gewartet hat. Unterschätzen Sie nicht, wie lange es dauert, bis Ihre potenziellen Kunden auf Sie aufmerksam werden. Neben den Kosten- sowie Umsatz- und Rentabilitätsplänen sollten Sie unbedingt einen Liquiditätspläne erstellen und diesen regelmäßig aktualisieren. Häufig ist die langfristige Geschäftsidee tragfähig, die Planung der Umsätze und Kosten korrekt, aber die Gründer scheitern an mangelnder Liquidität. Gehen Sie also in Kreditverhandlungen auch immer mit dem Gedanken, dass Sie Ihre Lebenshaltungskosten decken müssen (Miete, Verpflegung, Reisen, Unterhalt) und dass Sie im Rahmen der Beschaffung von Arbeitsmaterial häufig in Vorleistung gehen müssen.

Zu spät dran fürs Überbrückungsgeld


Ich habe in meinem Leben auch eine Zeitlang als Angestellter gearbeitet und in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Dass ich zum Zeitpunkt der Gründung Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte, war mir nicht klar. So erfuhr ich erst im Existenzgründungsseminar, dass mir sogar Gründungszuschuss...