Erben, vererben und vermachen - Erbfolge - Testament - Pflichtteil - Schenkung - Erbengemeinschaften - Steuern - Die besten Tipps

Erben, vererben und vermachen - Erbfolge - Testament - Pflichtteil - Schenkung - Erbengemeinschaften - Steuern - Die besten Tipps

von: Nicole Würth, Sigrid Born

Linde Verlag Wien Gesellschaft m.b.H., 2016

5. Auflage

Format: PDF, ePUB, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 10,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Erben, vererben und vermachen - Erbfolge - Testament - Pflichtteil - Schenkung - Erbengemeinschaften - Steuern - Die besten Tipps


 

KAPITEL 1


Die gesetzliche Erbfolge


Wer erbt eigentlich, wenn der Erblasser weder Testament noch Erbvertrag hinterlassen hat? Diese Frage ist wichtig, denn nur knapp 30 Prozent aller Deutschen legen zu Lebzeiten fest, was nach dem Tod mit dem eigenen Vermögen passieren soll. Bei all denjenigen, die das nicht tun, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein. Für sie regelt der Staat, was nach dem Tod mit dem Nachlass geschieht.

gut zu wissen

Erben nach Ordnungen

Erben erster Ordnung sind immer die direkten Abkömmlinge des Verstorbenen, das heißt seine Kinder, die Enkel und die Urenkel. Dazu gehören auch die nichtehelichen Kinder.

Erben zweiter Ordnung: Dazu gehören zum einen die Eltern des Verstorbenen, aber auch deren Abkömmlinge. Das sind dann die Geschwister des Toten, seine Neffen und Nichten so wie auch deren Kinder.

Erben dritter Ordnung: Darunter fallen die Großeltern des Verstorbenen sowie deren Abkömmlinge, also Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen sowie deren Kinder.

Erben vierter Ordnung sind entferntere Voreltern des Verstorbenen wie Urgroßeltern sowie deren Abkömmlinge.

Erben fünfter und weiterer Ordnung sind entferntere Voreltern des Verstorbenen sowie dessen Abkömmlinge.

Faustregel: So lange ein Verwandter aus der vorrangigen Ordnung beim Tod des Erblassers noch lebt, gehen alle Verwandten der niedrigeren Ordnung leer aus. Ehepartner spielen dabei eine gesonderte Rolle.

Ob das dem künftigen Erblasser recht ist, kann er aber erst beurteilen, wenn er weiß, wer nach der gesetzlichen Erbfolge überhaupt erben würde. Erst dann kann er nämlich einschätzen, ob ein Testament in seinem Fall sinnvoll ist oder nicht.

Wenn es um die Frage geht, wer von den Verwandten erbt, teilt der Gesetzgeber die Erben in verschiedene Ordnungen ein: Hat der Erblasser Verwandte erster Ordnung wie etwa Kinder, dann gehen die Erben der nachrangigen Ordnung leer aus. Gibt es dagegen keine Erben der ersten Ordnung, kommen die Erben der zweiten Ordnung, also Eltern und Geschwister, zum Zuge. Gibt es auch keine Erben der zweiten Ordnung, dann erben die Erben dritter Ordnung und so weiter.

Wenn der Verstorbene Kinder hinterlässt


Hinterlässt der Verstorbene Kinder, dann sind diese immer seine gesetzlichen Erben. Denn sie sind Erben erster Ordnung und schließen damit die Erben der anderen Ordnungen von der gesetzlichen Erbfolge aus. Hat der Verstorbene mehrere Kinder hinterlassen, erben diese zu gleichen Teilen. So bekommt bei zwei Kindern jedes die Hälfte des hinterlassenen Vermögens, bei drei Kindern jedes ein Drittel, bei vier Kindern jedes ein Viertel und so weiter.

Ist eines der Kinder des Verstorbenen bereits tot, bekommen die anderen seinen Anteil zu gleichen Teilen.

Doch Vorsicht: Nicht immer können sich die Geschwister in diesen Fällen über ein größeres Erbe freuen. Hat nämlich das verstorbene Kind des Erblassers selbst Kinder hinterlassen, treten diese Enkelkinder des Erblassers an seine Stelle und bekommen dann den Anteil des verstorbenen Kindes.

Beispiel

Fall 1: Der Erblasser hinterlässt drei Kinder. Emma, Susanne und Ralf. Eigentlich würde jeder ein Drittel des Erbes bekommen. Ist Ralf zum Zeitpunkt des Erbfalles auch schon tot, bekommen Emma und Susanne je die Hälfte.

Fall 2: Der Sohn Ralf ist zwar verstorben, hinterlässt aber selbst zwei Kinder. In diesem Fall erben Emma und Susanne je ein Drittel. Das eigentlich Ralf zustehende Drittel teilen sich seine zwei Kinder. Die beiden Kinder bekommen also je ein Sechstel.

Lebt ein Erbe, so schließt er seine eigenen Abkömmlinge von der Erbfolge aus. Enkel sind so zwar Erben erster Ordnung – genauso wie die Kinder des Erblassers. Sie bekommen aber nichts, wenn die Großeltern sterben und die Eltern (und damit die Kinder der Verstorbenen) noch am Leben sind.

Beispiel

Die Erbfolge

Toni hinterlässt zwei Kinder namens Emma und Ralf. Emma und Ralf haben selbst Kinder, nämlich Markus und Hanna. Stirbt Toni, erben Emma und Ralf. Die Enkelkinder Markus und Hanna erben von Toni nichts.

Gibt es mehrere Erben, werden diese zu einer Erbengemeinschaft. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel „Erbengemeinschaften – Vorsicht, explosiv!“.

Nichteheliche Kinder

Hat der Verstorbene neben seinen ehelichen Kindern auch nichteheliche, so sind diese in gleicher Weise erbberechtigt, denn sie gehören genauso zur Erbengemeinschaft. Das gilt unabhängig davon, ob die nichtehelichen Kinder von ihrer Mutter oder ihrem Vater erben. Erben sie von ihrem Vater, so muss die Vaterschaft des Erblassers allerdings feststehen. Das ist dann der Fall, wenn der Verstorbene die Vaterschaft zu Lebzeiten anerkannt hat. Die Vaterschaft kann aber auch im Nachhinein, also im Erbfall festgestellt werden. Das geht aber nur, wenn derjenige, der behauptet, ein nichteheliches Kind zu sein, keinen anderen „Vater“ hat. Wenn das Kind also aus einer intakten Ehe stammt, dann muss es erst die Vaterschaft des bis dahin legitimen Vaters anfechten.

Dass nichteheliche Kinder von ihrem Vater gleichberechtigt erben wie eheliche war übrigens nicht immer so. Diese Regelung gilt vielmehr erst seit dem 1. April 1998. Davor hatten nichteheliche Kinder nur einen so genannten Erb-ersatzanspruch gegen die Erben. In Höhe des normalen gesetzlichen Erbanspruchs hatten sie demnach zwar einen finanziellen Anspruch gegenüber den Erben. Sie konnten aber nicht mitreden, wenn es etwa um die Verteilung von Immobilien ging, und sie waren auch nicht Mitglied der Erbengemeinschaft.

Die Neuregelung, die besagt, dass nichteheliche Kinder von ihrem Vater genauso erben wie eheliche Kinder, gilt im Übrigen nur für Kinder, die nach dem 1. Juli 1949 geboren sind. Die vor diesem Tag geborenen Kinder gehen beim Tod des nichtehelichen Vaters leer aus.

Adoptierte Kinder

Mit der Adoption wird das Verwandtschaftsverhältnis des Kindes zu seiner leiblichen Familie aufgelöst. Stattdessen wird es in seine neue Familie vollständig eingegliedert. Das hat zur Folge, dass es gegenüber seinen Adoptiveltern dieselbe erbrechtliche Stellung hat wie die leiblichen Kinder. Es wird also so getan, als ob das Kind schon seit seiner Geburt ein leibliches Kind der annehmenden Eltern wäre. Demnach erbt es auch genauso.

Ist das Kind jedoch erst als Volljähriger adoptiert worden, gibt es Besonderheiten: Das Kind ist mit weiteren Angehörigen der annehmenden Eltern nicht automatisch verwandt. Es erbt auch nicht ohne Weiteres von ihnen.

Beispiel

Fall 1: Toni und Inge adoptieren den 20-jährigen Peter. Bei einem Autounfall kommen die Adoptiveltern ums Leben. Peter erbt von seinen Adoptiveltern wie ein leibliches Kind. Drei Jahre später stirbt auch Inges Mutter Maria. Peter erbt nichts von Inges Mutter.

Fall 2: Peter wurde schon mit 16 Jahren adoptiert. Er würde im gleichen Fall zunächst von seinen Adoptiveltern erben und drei Jahre später auch noch von Maria.

Ausnahmsweise kann das Vormundschaftsgericht bei einer Erwachsenenadoption aber eine so genannte Volladoption aussprechen. Das ist etwa dann der Fall, wenn gleichzeitig weitere minderjährige Geschwister adoptiert werden sollen bzw. schon wurden oder wenn der Erwachsene, der adoptiert werden soll, schon als Minderjähriger in der Familie aufgewachsen ist. Gleiches gilt auch, wenn der Annehmende sein eigenes nichteheliches Kind oder das seines Ehegatten adoptieren möchte.

Stiefkinder

Stiefkinder erben nur von ihren leiblichen Eltern. Von ihrem nichtleiblichen Vater oder ihrer nichtleiblichen Mutter erben sie nichts. Stiefeltern, die das anders regeln wollen, können ihre Stiefkinder natürlich in einem Testament als Erben einsetzen. Möglich ist unter Umständen auch, dass der nichtleibliche Elternteil das Stiefkind adoptiert. Dann erbt das Kind genau wie ein eigenes leibliches Kind.

Was erbt der Ehegatte?


In vielen Fällen stirbt der Erblasser und hinterlässt einen Ehepartner und zudem Kinder. Liegt kein Testament vor, vermuten die meisten Menschen, dass der Ehepartner automatisch alles erbt. Doch das ist nicht so.

Der Erbteil des Ehegatten berechnet sich vielmehr danach, welche Erben welcher Ordnung sonst noch vorhanden sind.

Faustregel: Je entfernter die Verwandten sind, die noch miterben, desto mehr bekommt der Ehepartner.

Die Kinder des Verstorbenen sind Erben erster Ordnung und erben daher immer. Hinterlässt der Verstorbene Ehepartner und Kinder, ist der Ehepartner erst einmal zu einem Viertel erbberechtigt. Hat er mit dem Erblasser im Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt, was in den allermeisten Ehen der Fall ist, dann bekommt er noch mal ein Viertel hinzu. Dieses Viertel dient dazu, den Ehepartner an dem während der Ehe gemeinsam angehäuften Vermögen teilhaben zu lassen. Es ist sozusagen ein pauschaler Zugewinnausgleich. Im Ergebnis heißt das: Der Ehepartner bekommt in der Regel die Hälfte, die Kinder teilen sich die andere Hälfte.

Beispiel

So viel erben der Ehepartner und die Kinder

Karl und Erna Meier sind verheiratet und haben zwei Kinder, Dirk und Philipp. Wenn Karl stirbt, bekommt seine Frau die Hälfte seines Vermögens. Ein Viertel davon bekommt sie aus gesetzlichem Erbrecht, das andere Viertel als eine Art Zugewinnausgleich. Die Kinder Dirk und Philipp teilen sich die andere Hälfte...