Wenn die Erben streiten - Erben und Schenken - alles, was Sie wissen sollten. Mit wahren Fällen aus der journalistischen Praxis (Ausgabe Österreich)

Wenn die Erben streiten - Erben und Schenken - alles, was Sie wissen sollten. Mit wahren Fällen aus der journalistischen Praxis (Ausgabe Österreich)

von: Peter Resetarits, Elisabeth Scheuba

Linde Verlag Wien Gesellschaft m.b.H., 2017

ISBN EPUB: 9783709408025

Seitenanzahl: 176 Seiten

2. Auflage

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 15,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Wenn die Erben streiten - Erben und Schenken - alles, was Sie wissen sollten. Mit wahren Fällen aus der journalistischen Praxis (Ausgabe Österreich)


 

Nicht jeder hat ein Testament. Und viele, die darüber nachdenken, ob sie ein Testament machen sollen oder nicht, fragen sich, ob sie denn ein Testament überhaupt brauchen. Gerade jetzt, wo seit 1.1.2017 einiges Neues im Erbrecht gilt.

Was passiert OHNE Testament?

Wenn es kein Testament gibt, tritt auch seit 1.1.2017 automatisch die im Gesetz vorgesehene Erbfolge ein. Wer also zu Lebzeiten nicht festgelegt hat, was nach seinem Tod mit seinem Vermögen geschehen soll, verlässt sich damit auf die gesetzliche Erbfolge. Sein Vermögen wird unter seinen Angehörigen so verteilt, wie es in Österreich das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) mit den jüngsten Änderungen bestimmt.

Wer BRAUCHT ein Testament?

Wer nicht weiß, ob er ein Testament machen „muss“, ob er also ein Testament „braucht“, sollte zunächst einmal wissen, wie denn die gesetzliche Erbfolge nach ihm konkret aussehen würde. Denn vielleicht ist damit ohnedies alles bestens geregelt. Es sind drei Fragen zu beantworten:

Wird österreichisches Erbrecht für meine Nachfolge gelten? Wenn ja:

  • Wer sind meine Erben nach dem Gesetz?
  • Was sollen sie nach dem Gesetz erhalten?


Die Antworten darauf, also die Informationen, wie die Erbfolge in Österreich nach dem Gesetz konkret aussehen würde, sind Grundlage für die Entscheidung, ob ein Testament gemacht werden „muss“ oder nicht. Denn wer mit den in Österreich im Gesetz vorgesehenen Erben einverstanden ist und auch mit der im Gesetz vorgesehenen Aufteilung unter den Erben, braucht kein Testament zu machen. Für den ist das Thema „Testament“ damit auch schon wieder erledigt.

Wird ÖSTERREICHISCHES Erbrecht für meine Nachfolge gelten?

Für alle, die vor dem 17.8.2015 gestorben sind, war die Frage leicht zu beantworten: War der Verstorbene österreichischer Staatsbürger, war auch österreichisches Erbrecht anwendbar. Nur: Mit der Europäischen Erbrechtsverordnung ist seit dem 17.8.2015 alles anders geworden. Es kommt seither in Österreich nicht mehr auf die Staatsbürgerschaft an. Österreichisches Erbrecht ist seither nur dann anwendbar, wenn der Verstorbene bei seinem Tod seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich gehabt hat.

Was ist das, der „gewöhnliche Aufenthalt“? Die Europäische Erbrechtsverordnung definiert das leider nicht. Erst eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird irgendwann einmal Klarheit bringen. Bis dahin kann man nur vermuten, dass damit eine Art Lebensmittelpunkt gemeint ist, den der Verstorbene bei seinem Tod gehabt hat (und man kann nur darauf hoffen, dass der Europäische Gerichtshof das dann dereinst einmal auch so sehen wird).

Das heißt also: Ein Franzose, der bis zu seinem Tod in Wien gelebt hat, vererbt seine Sachen nach österreichischem Erbrecht. Ein Österreicher, der nach Deutschland ausgewandert ist und dort stirbt, vererbt sein Hab und Gut – selbst wenn es sich in Österreich befindet – nach deutschem Erbrecht. Ein Deutscher, der bis zu seinem Tod in Frankreich gelebt hat, vererbt seinen Nachlass nach französischem Recht usw. Die Europäische Erbrechtsverordnung – die in allen Mitgliedstaaten der EU (außer in Dänemark, Irland und im Vereinigten Königreich) gilt – sieht dies seit 17.8.2015 so vor.

Diese Grundregel – wo ich zuletzt (länger) gelebt habe, dieser Ort bestimmt „mein“ Erbrecht – wäre ja noch einfach. ABER: Es gibt Fälle, die nicht so leicht zu lösen sind:

Wer z.B. eine Ferienwohnung in Spanien hat, um dort die „kalte Jahreszeit“ zu verbringen, sonst aber in Wien wohnt, für den wird es schwierig: Verstirbt er im Winter in der Ferienwohnung in Spanien, könnte sein „gewöhnlicher Aufenthalt“ bei seinem Tod in Spanien dazu führen, dass plötzlich spanisches Erbrecht anwendbar ist. Und da kann es dann böse Überraschungen geben. Denn das spanische Erbrecht ist z.B. mit dem österreichischen Erbrecht nicht vergleichbar.

Oder: Wer zwar in Österreich in der Grenzregion etwa zu Deutschland wohnt, aber in Deutschland arbeitet, dort unter der Woche auch lebt, vielleicht auch noch ein Konto bei einer deutschen Bank und auch seine Lebensgefährtin in Deutschland hat, könnte – weil Deutschland als sein Lebensmittelpunkt gesehen werden könnte – sein Vermögen bei seinem Tod überraschend nach deutschem Erbrecht vererben. Auch wenn sich vielleicht wesentliche Vermögenswerte (z.B. ererbtes Elternhaus, Ersparnisse, Autos usw.) in Österreich befinden.

Nur bei bloßen Urlaubsreisen gibt es solche Unsicherheiten nicht: Wenige Wochen am Meer in Italien oder in Frankreich bewirken nicht, dass beim Tod des Urlaubers dann auch überraschend italienisches/französisches Erbrecht anwendbar wäre. Aber: Schon dann, wenn z.B. ein längerer Aufenthalt zu Pflege- oder Kurbehandlungen in z.B. Ungarn geplant ist, kann es – wenn der Tod dort eintritt – dazu kommen, dass plötzlich ungarisches Erbrecht gilt.

Wer also nicht bloß im Urlaub „mobil“ ist, sondern sich auf längere Aufenthalte außerhalb von Österreich begibt, aber sicherstellen will, dass es beim österreichischen Erbrecht für seine Nachfolge bleibt, sollte vorkehren und doch etwas schreiben, nämlich:

„Auf meine Erbfolge soll österreichisches Erbrecht
anwendbar sein.“

Dieser Satz, handschriftlich geschrieben, mit Datum versehen und unterschrieben (oder in ein förmliches, ausführliches Testament aufgenommen), bewirkt Sicherheit. Egal, wo der gewöhnliche Aufenthalt beim Tod dann gerade auch sein mag, egal, ob man beim Überwintern im Süden oder bei einer beruflichen Auslandsmission oder bei einem Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung in Osteuropa versterben sollte. Es ist mit dieserRechtswahl sichergestellt, dass österreichisches Erbrecht gilt. Ohne Überraschungen.

Aber Achtung: Nur wer österreichischer Staatsbürger ist, kann auch österreichisches Erbrecht auf diese Weise wählen. Wer z.B. deutscher Staatsbürger ist und in Österreich lebt, für den gilt österreichisches Erbrecht „automatisch“, weil ja sein gewöhnlicher Aufenthalt bei seinem Tod dann auch in Österreich ist. Nur wenn der deutsche Staatsbürger für seine Nachfolge doch lieber deutsches Erbrecht bevorzugt, müsste er vorkehren, wie geschildert: nämlich schriftlich in Testamentsform erklären, dass auf seine Erbfolge deutsches Erbrecht anwendbar sein soll. Wählen kann man also nur das Erbrecht jenes Staates, dessen Staatsbürgerschaft man hat.

WER erbt nach dem Gesetz?

Wie hat nun der Gesetzgeber für den Fall, dass es kein Testament und damit keinen Testamentserben gibt, vorgesorgt? Er bestimmt zunächst einmal jene – in der Regel dem Verstorbenen nahe – Personen, die gesetzliche Erben sein sollen:

Das sind in erster Linie – vor und nach dem 1.1.2017 unverändert – die eigenen Kinder. Das Gesetz macht zwischen ehelichen und unehelichen Kindern und auch adoptierten Kindern keinen Unterschied. Wenn Kinder da sind, erben sie immer. Sind Kinder nicht mehr da, weil schon verstorben, erben die Enkel (siehe dazu auch den Fall 3 auf Seite 30).

Auch der Ehepartner erbt nach dem Gesetz immer. Oft neben den Kindern oder den Eltern des Verstorbenen, mitunter aber alleine (siehe dazu auch den Fall 4 auf Seite 39). Er erhält nach dem Gesetz überdies auch noch das sogenannte „Vorausvermächtnis“. Das ist das Recht, in der Ehewohnung weiterzuwohnen und Einrichtung und Haushaltssachen zu behalten (siehe dazu auch den Fall 10 ab Seite 101 und unter Kapitel 4 auf Seite 101).

Hat der Verstorbene keine Kinder, und auch keine Enkelkinder und auch keinen Ehepartner hinterlassen, sind andere Verwandte die gesetzlichen Erben, nämlich die Eltern, manchmal die Geschwister und Geschwisterkinder (Neffen/Nichten des Verstorbenen), in seltenen Fällen auch Großeltern und deren Nachkommen (also Onkel/Tante bzw. Cousin/Cousine des Verstorbenen).

Die...